Wenn das Netz zu Dir kommt – Wutrede

22. Mai 2014 in Blog

Spannend, was da gerade mit Steinmeiers Wutrede im Web passiert. Mit 1.36 Millionen Abrufen (Stand 21.5.2014/13:30 Uhr) dürfte er mehr Clicks gesammelt haben, als alle Wahlkampfspots der übrigen Parteien, inkl. der SPD. Ebenso heftig wie Steinmeiers Reaktion auf die Pfiffe sind die Reaktionen online. Einige Kommentare, sagte Steinmeier-Sprecher Martin Schäfer im Tagesspiegel, waren so heftig, dass man sie gleich gelöscht hat. Die der YouTube Kanal der Welt gibt da einen kleinen Vorgeschmack.

Clicks sind nicht alles und das war auch kein Wahlkampfspot. Das Gute an dem Clip ist aber, dass er zeigt, wofür Steinmeier steht. Die Position mag man teilen oder nicht. Aber zumindest sieht man, dass er eine klare Position hat und auch bereit ist, dafür zu streiten und zu schwitzen. Dagegen sind die SPD-Spots zur Wahl reinstes Valium. Was mir daran auch gefällt: Das Wutrede-Phänomen führt exemplarisch vor, wie ein Kontrollverlust im Netz abläuft. Passend, dass es inhaltlich dann auch um Kontrollverlust geht. Der Kontrollverlust erzeugt eine unglaubliche Dynamik und eine Interaktionsquote, von denen die Macher der Wahlkampspots nur träumen können. Die SPD hat Glück gehabt. Steinmeier hätte sich auch richtig blamieren können, so wie Westerwelle damals mit seiner Englisch-Nummer.

Die Genossen haben das gleich ganz clever verarbeitet. Allerdings haben sie das Video ganz nach unten gesetzt. Der Hochglanz-Steinmeier vom Pressefotografen war ihnen dann doch lieber. Und vielleicht hilft es auch, wenn man das Gefühl hat, zumindest noch ein kleinwenig Kontrolle über den Diskurs zu haben.