Video 2015: Geteilt wird nicht

15. Januar 2015 in Blog

facebook-youtube-twitterDa bewegt sich was beim Bewegtbild: Fast zeitgleich kamen twitter und facebook mit spannenden Neuigkeiten um die Ecke, die deutlich machen, wie sich der Markt für Webvideo verändert.

Bei twitter munkelte man schon Ende 2014, dass sich beim Video etwas tun könnte. Bisher sind die Kurztext-Experten mit Vine nur im Bereich der sechs-sekündigen Kurzvideos aktiv. Video soll aber weiter ausgebaut werden. Sowohl was die Länge, als auch was das Format angeht. Weg vom Quadrat, hin zu full HD. facebook hat bereits die Integration von Videos auf der eigenen Profilseite verbessert. Die Strategie geht offenbar auf: Im vergangenen Jahr haben sich die Video-Abrufe auf facebook verdreifacht.

Schon wird geunkt, YouTube könne seinen Zenit überschritten haben. Dabei muss man sich allerdings die Zahlen genau ansehen. Nicht jedes Video performt auf facebook besser als auf YouTube. Allerdings gibt es solche Fälle. Das zeigt, dass man die Strategie, alles erstmal bei YouTube abzuladen, überdenken sollte.

Aus mehreren Gründen ist die Entwicklung interessant

  • Es gibt nicht mehr nur einen Player im Webvideomarkt. Mit facebook und twitter haben jetzt alle drei großen sozialen Netzwerke der Massenkommunikation die zentrale Bedeutung von Video erkannt.
  • Der Kontext für den Content, d.h. das Verbreitungsnetzwerk, wird wichtiger. Da YouTube auf das Geschäftsmodell Werbung setzt, sind Inhalte, die sich für die Werbevermarktung eignen, für die Plattform attraktiver. Gleichzeitig wird es schwieriger, den Erfolg spitzer Information aus special interest Angeboten auf YouTube vernünftig zu bewerten.
  • facebook und twitter als die großen Treiber für Interaktion, wollen mehr vom Videokuchen abhaben und nicht mehr nur für andere ver-„teilen“ und dadurch YouTube die Nutzer zuführen, die dann allein YouTube über Werbung monetarisiert.

Für Unternehmen, die Bewegtbild einsetzen, bietet diese Entwicklung die Chance, ihr Videomaterial sehr viel genauer an die Zielgruppe zu bringen. Produktionen lassen sich von vorne herein auf die möglichen Verbreitungskanäle abstimmen, so dass ein Thema auf unterschiedlichen Kanälen in unterschiedlicher Form gespielt werden kann.

Angesichts der dynamischen Veränderung der Videoplattformen, wird die möglichst enge Anbindung eigener Videoinhalte an die Marke wichtiger. Bei einer mittel- bis langfristig angelegten Bewegtbildstrategie ist es sinnvoll, z.B. über eine voll in die Unternehmenswebseite integrierte Mediathek mit eigenem Content Management System zumindest nachzudenken. Als zentrales Steuerungsinstrument lässt sich damit das eigene Material präsentieren und über bestehende oder zukünftige Distributionskanäle verbreiten.

 

Ergänzung vom 18. März 2015

Im Schatten von YouTube sprießen neue Plattformen, Apps und neue Nutzungsmuster für Webvideo. Am 14. März 2015 war das auch Thema im Radio. Philipp Banse im Gespräch mit Anna Moll, Christina Maria Schollerer und Jannis Kucharz.

Mitschnitt der Breitband-Sendung Jenseits von YouTube Neue Webvideoplattformen und die Zukunft des Bewegtbilds auf Deutschlandradio Kultur:


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